Für zwei Hände voll Interessierter ging es an Anfang Juni nach Brüssel. Konkretes Ziel war das Europäische Parlament. Wer sich jetzt fragt, was issen dass, sollte in der Grundstufe sein oder gelegentlich sein Wachkoma im Politikunterricht unterbrechen.

Das Europaparlament ist vergleichbar mit unserem Bundestag. Dort sitzen Parlamentarier verschiedener Länder und Parteien in freundschaftlicher Eintracht und diskutieren über politische Themen. Halt, Stop, aber auch der Bundestag diskutiert und beschließt. Kommen sich da beide nichts ins Gehege? Der Gedanke ist nicht verkehrt. Die Themenfelder, die in Brüssel entschieden werden, sind eng abgesteckt, so dass es keine Überschneidungen mit unserer deutschen Gesetzgebung gibt.

Dies sind Themen, wie z.B. die Agrarpolitik. Brüssel entscheidet über Subventionen (Finanzielle Unterstützung) für Bauern in der ganzen Europäischen Union. Wer wissen will, wer dazu gehört, der sollte man googeln. Insgesamt sind 120 Milliarden Euro bis 2015 an landwirtschaftlichen Mitteln zu vergeben. Ein hübsches Sümmchen über das die europäischen Parlamentarier entscheiden: wer, wieviel, für was bekommt. Jeder Bauer in der EU hat dadurch das Recht einen Antrag nach Brüssel zu senden, mit der Bitte um finanzielle Unterstützung. Aktuell betrifft dies die Gemüsebauern besonders, da sie durch die EHEC-Seuche und der Zurückhaltung der Bürger, Gemüse zu essen, auf ihren Tomaten und Gurken sitzen bleiben. Um überleben zu können,brauchen Sie jetzt Geld.

Aber die Agrarpolitik ist nur ein Betätigungsfeld des Europäischen Parlamentes. Die Felder werden zunehmen, da sich die EU-Staaten entschieden haben, weitere Kompetenzen an Brüssel abzugeben. Was heißt das? Zunehmend werden Entscheidungen und Gesetze nicht mehr in Deutschland beschlossen, sondern in fernen Brüssel. Das hat Vor- und Nachteile. Welche das sind, könntet ihr mal in Politikunterricht erarbeiten.

Nun aber zurück zum Parlament. Besuchergruppen dürfen natürlich das Parlament besichtigen. Nach einer Sicherheitsüberprüfung durften wir das Gebäude betreten, was natürlich auch so aussieht, wie auf den Fotos. Überall wuseln wichtige Leute in Anzügen umher. Einen richtigen Europaparlamentarier durften wir dann auch sehen. Er ist der einzige europäische Parlamentarier aus dem Schwalm-Eder Kreis. (Auch hier hilft googeln.) Er erzählte uns über seine Arbeit und die Funktionsweise des Parlaments. Wer sich jetzt fragt, wie können die Abgeordneten überhaupt miteinander kommunizieren bei soviel verschiedenen Sprachen, der kann beruhigt sein, es gibt jede Menge Dolmetscher, fast soviele wie Abgeordnete. Diese übersetzen die Reden und Wortbeiträge der Abgeordneten im Plenarsaal simultan in alle notwendigen Sprachen. Übrigens werden alle Dokumente auch in allen Sprachen der vorhandenen Länder gedruckt. Wohl dem, der in Brüssel einen Copyshop betreibt.

Der Plenarsaal des EU-Parlamentes ist sehr groß. Leider fand gerade keine Plenasitzung statt, so dass wir ihn leer vorfanden. Oberhalb der Abgeordnetenplätze befinden sich die Dolmetscherkabinen. Somit kann jeder Abgeordnete seinem Dolmetscher zuwinken. Im Anschluss haben wir uns noch das Büro des Abgeordneten angeschaut. Wer hier Größe und Verschwendung vermutet, liegt falsch. Die Büroräume waren schlicht und funktionell eingerichtet und zeugten von sehr viel Arbeit.

Leider war mit dem Besichtigung im großen Plenarsaal der Besuch im Parlament zu Ende, aber Anlass die Stadt selber zu erkunden. Architektonisch hat Brüssel sicher schöne Ecken zu bieten. Ärgerlichweise, haben die Stadtväter nicht darauf geachtet, neue Bauten mit der alten Architektur in Einklang zu bringen. Insofern ist Brüssel ein Mischmasch aus neuen und alten Bauten, die teilweise so dicht beieinander stehen, dass es nun gar nicht aussieht. Wer damit ein Problem hat, sollte gar sich diese gar nicht anschauen, sondern sich gleich der nächsten Brüsseler Attraktion widmen. Die Stadt ist bekannt für ihre leckere Schokolade. Es gibt Schokolade in allen Sorten und Formen und jedes Mal ist sie lecker. Für Gewichtsbewusste ich dies natürlich nichts. Die sollten sich dann doch lieber der Architektur zuwenden. Wer hingegen damit kein Problem hat, kann sich wie im Schokoladenschlarafenland fühlen. Haupsächlich gibt es die Schokolade in der Brüsseler Altstadt, die sehr schön ist und weitesgehend nur aus alten und ansehnlichen Gebäuden besteht. Besonders schön ist der Marktplatz. Unweit davon findet man auch die nächste Brüsseler Attraktion. Das Mäneken Piss. Eine kleine Figur, die ständig Wasser lassen muss. Das Männchen ist aber so klein, dass man es leicht übersehen kann. Vielleicht auch ganz gut, wer will jemanden anderen schon beim p..... zuschauen.

Der Tag klang dann mit einem gemeinsamen Essen aus. Ein interessanter Tag und schöner Tag war vorbei. Eine Frage noch an euch, welche Sprache spricht man eigentlich in Brüssel?