Gegen das Vergessen - Zeitzeugengespräch, Besuch der Gedenkstätte Buchenwald und die Gedenkfeier für Jechiel Ogdan

Nachdem wir, die Schülerinnen und Schüler der Gy10, uns in den vergangenen Wochen im Geschichtsunterricht mit dem Nationalsozialismus auseinandergesetzt und die Gedenkstätte Buchenwald am 07.02.19 besucht hatten, nahmen wir am vergangenen Dienstag, dem 12.02.19 an der Gedenkfeier für Jechiel Ogdan teil.

Im letzten Halbjahr haben wir uns im Geschichtsunterricht sowohl mit dem Ersten Weltkrieg als auch mit dem Zweiten Weltkrieg auseinandergesetzt. Wir erfuhren dabei viele erschreckende Fakten und erarbeiteten uns Quellen, die von Menschen aus dieser Zeit verfasst wurden.

Nach einer zweistündigen Fahrt nach Weimar erreichten wir das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald, welches heute eine Gedenkstätte ist. Dort hatten wir zwei Führungen auf dem Gelände, uns wurden viele Fakten vermittelt und Geschichten erzählt. In der ursprünglichen Kantine befindet sich nun ein Seminarraum, in dem wir uns mithilfe eines Modells den damaligen Aufbau des Lagers besser vorstellen konnten. Am eigenen Leib konnten wir merken, wie kalt es in dem Lager ist. Wir können uns noch immer nicht vorstellen, wie Menschen überhaupt unter diesen Umständen leben und überleben konnten!

Zuvor hatte uns am Dienstag, den 22.01.19 die Zeitzeugin Edith Erbricht besucht. Sie erzählte uns, wie sie die Zeit in ihrer Heimatstadt Frankfurt zu Beginn des Zweiten Weltkriegs und später den Aufenthalt in und die Befreiung aus dem Konzentrationslager Theresienstadt erlebt hat. Anschließend durften wir zahlreiche Fragen stellen, welche uns Frau Erbricht ausführlich und sehr geduldig beantwortete. Durch diese Erfahrung haben wir nun einen viel persönlicheren Bezug zu den Verbrechen der Nazis erhalten und erfahren, was die Verfolgung für die Opfer bedeutete.

Wie anfangs schon erwähnt, wirkten wir letzten Dienstag bei der Gedenkfeier für Jechiel Ogdan mit. Zu seinem Gedenken wurde ihm vor der Stadtkirche St. Johannes in Spangenberg eine Gedenktafel gewidmet, um dauerhaft an seine Verdienste zur Versöhnung nach den Greueltaten der Nazis hier in seiner alten Heimat zu erinnern.

Damals musste die jüdische Familie ihre Textilmanufaktur aufgeben und aus  Spangenberg fliehen. Sie fand Zuflucht in Israel. Trotz der Vertreibung Jechiel Ogdans, kam er immer wieder in seine Heimatstadt zurück, um diese zu besuchen und die Wunden der Vergangenheit zu heilen.

Die Gedenkfeier fand vor der Kirche statt. Zu Beginn wurde auf der Trompete „Hevenu Schalom Aleichem“ gespielt. Danach wurde das Leben von Jechiel Ogdan vorgestellt und im Anschluss die Gedenktafel von Marie Büttner und Lucas Koch enthüllt. Darüber hinaus trugen Charlotte Groh, Elias Ploch und Emma Nuhn mit Pfarrer Schümers das Fürbittengebet vor. Abschließend sprachen wir gemeinsam das Vaterunser und sangen das Lied „Hevenu Schalom Aleichem“ mit Gitarrenbegleitung. Unserer Meinung nach war es rundum eine würdige Veranstaltung.

Durch die Auseinandersetzung mit dem Leben Jechiel Ogdans wurde uns erst richtig bewusst, dass im Grunde genommen der Nationalsozialismus direkt vor unserer Haustür stattfand und auch bei uns die Juden so brutal vertrieben wurden. Das hat uns alle ziemlich geschockt. Wir empfanden die Gedenkfeier als eine wirklich gute Sache und sind auch dankbar dafür, dass uns die Möglichkeit gegeben wurde, daran teilzunehmen und mit in den Ablauf integriert worden zu sein.

Nicht zuletzt durch die Möglichkeit, außerhalb der Schule Geschichte selbst zu erfahren, und durch das Gespräch mit Frau Erbricht haben wir innerhalb der letzten Monate viel über den Nationalsozialismus gelernt und erfahren, wie wichtig es ist, dass die Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät.

Charlotte Groh und Leonie Nolte (Gy10)

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